Katar exportiert rund 40 % des weltweit gehandelten Heliumaufkommens. Nach einer iranischen Drohnenattacke auf das Ras-Laffan Terminal Anfang März 2026 wurde die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) und damit auch von Helium komplett eingestellt und „Force Majeure“ erklärt. Zudem ist der Schiffstransport durch die Straße von Hormus unterbrochen. Ein mittelfristiger Ausfall der katarischen Heliumlieferungen kann zu erheblichen Engpässen bei der globalen Heliumversorgung führen.
Heliumproduktion in Katar
Die globale Heliumproduktion ist stark konzentriert. Neben den USA hat sich insbesondere Katar seit Mitte der 2000er Jahre zu einem zentralen Akteur entwickelt. Die Grundlage der katarischen Heliumproduktion bildet das North Field, eines der größten Erdgasfelder der Welt.
Die Heliumproduktion ist in Ras Laffan konzentriert, wo derzeit drei Heliumanlagen mit einer jährlichen Gesamtkapazität von rund 67,5 Mio. m³ betrieben werden. Eine vierte Heliumanlage mit einer Kapazität von 48,6 Mio. m³ pro Jahr soll bis 2027 in Betrieb gehen. Eine fünfte Anlage befindet sich in der Planungsphase und würde zusätzliche 42,5 Mio. m³ pro Jahr bereitstellen. Damit könnte Katar mittelfristig über eine jährliche Gesamtkapazität von über 150 Mio. m³ verfügen und seine marktbeherrschende Stellung weiter ausbauen.
Bedeutung des Ausfalls der Heliumproduktion
Die Unterbrechung der LNG-Produktion in Katar, ausgelöst durch Angriffe auf zentrale Anlagen im Ras Laffan-Komplex, bedeutet, dass die Heliumanlagen nicht weiterbetrieben werden können. Gleichzeitig ist die Exportlogistik durch die Schließung der Straße von Hormus infolge des Krieges im Iran zusätzlich beeinträchtigt.
Katar exportierte im Jahr 2025 rund 52 Mio. m³ Helium. Das entspricht etwa 40 % des globalen Handelsvolumens. Die wichtigsten Absatzmärkte für katarisches Helium sind die EU (33 %), China (29 %) sowie Südostasien (31 %). Die USA spielen als Exportdestination nur eine untergeordnete Rolle (2 %). Kurzfristige Ausfälle können zum Teil durch Spotlieferungen ausgeglichen werden. Längerfristige Lieferschwierigkeiten bleiben jedoch bestehen, solange die Lieferketten gestört sind und die begrenzte Verfügbarkeit der spezialisierten Transportcontainer die Wiederaufnahme der Exporte verzögert.
Auswirkungen auf die Europäische Union
Die EU bezieht mit etwa 40 % einen bedeutenden Anteil ihres Heliumbedarfs aus Katar. Innerhalb der EU wird Helium ausschließlich in Polen produziert (~3 Mio. m³ pro Jahr). Die Produktion ist seit Jahren rückläufig und deckt lediglich etwa 8 % des europäischen Bedarfs (~40 Mio. m³ pro Jahr). Der Heliumspeicher in Gronau-Epe (Air Liquide, Kapazität: 47 Mio. m³) könnte kurzfristig als Puffer funktionieren. Die tatsächlichen Füllstände des Speichers werden jedoch nicht öffentlich bekanntgegeben.
Alternative Importquellen für die EU sind rar. Algeriens Produktion operiert seit Jahren am oberen Limit und liefert etwa 12 Mio. m³ pro Jahr. Die Exporte aus den USA sind in den letzten Jahren rückläufig und bewegen sich im Bereich von 5–10 Mio. m³ pro Jahr. Im Jahr 2025 entwickelte sich China mit 45 Mio. m³ zum wichtigsten Heliumexporteur für die EU, obwohl das Land selbst über keine nennenswerten Produktionskapazitäten verfügt. Dies deutet darauf hin, dass China als Re-Exporteur für Helium fungiert, vermutlich auch für in der Russischen Föderation erzeugtes Helium, für das seit September 2024 ein Importverbot in die EU besteht. Die Russische Föderation hatte ihre Heliumproduktion mit der Inbetriebnahme der Amur-Heliumanlage im Jahr 2024 deutlich ausgeweitet und bietet Helium vor allem in Asien zu „below-market“ Preisen an. Somit könnte China den Wegfall katarischer Liefermengen teilweise durch russisches Helium substituieren.