Die de facto Sperrung der Straße von Hormus stellt die bedeutendste Bedrohung der weltweiten Energieversorgungssicherheit der jüngeren Geschichte dar.
Durch die Straße von Hormus wurden täglich 14,9 Millionen Barrel Erdöl und Kondensat sowie 4,9 Millionen Barrel Erdölprodukte, wie Diesel, Kerosin, Benzin, Naphtha transportiert. Dies entspricht etwa 20 % des täglichen weltweiten Mineralölverbrauchs.
Darüber hinaus werden sämtliche LNG-Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Märkte außerhalb der Golfregion durch diese Meerenge transportiert. Dies entspricht rund 2,5 % des weltweiten täglichen Erdgasverbrauchs. Fiele dieser Transportweg weiterhin aus, könnten Erdöl und Erdgas nicht mehr exportiert werden, sodass die Förderung in den betreffenden Ländern schrittweise reduziert werden müsste – wie bereits in Kuwait und Bahrain geschehen.
Aufgrund militärischer Angriffe auf die Betriebsanlagen von QatarEnergy in der Industriezone Ras Laffan und der Industriezone Mesaieed hat Katar die Produktion von LNG eingestellt. Auch damit verbundene nachgelagerte Produkte wie Stickstoffdünger, Polymere, Methanol werden nicht mehr produziert. Beim Verflüssigungsprozess von Erdgas in Ras Laffan werden große Mengen Helium gewonnen, sodass Katar rund 40 % des weltweit gehandelten Heliumaufkommens exportiert. Helium ist von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft und findet in der Elektronik (Halbleiterfertigung), Kryotechnik und Luft- und Raumfahrt Anwendung.
Eine Umleitung der Öllieferungen über Pipelines – beispielsweise über die Ost-West-Pipeline in Saudi Arabia vom Persischen Golf zum Roten Meer oder über eine Pipeline in den Vereinigten Arabischen Emirate zum Golf von Oman – ist aufgrund begrenzter Transportkapazitäten nur in begrenztem Umfang möglich. LNG wird ausschließlich in speziellen Tankern über den Seeweg transportiert. Alternative Transitrouten sind somit kurzfristig nicht realisierbar.
Ob es zu tatsächlicher Verknappung der oben genannten Energierohstoffe und der Heliumversorgung kommt, hängt stark davon ab, wie lange die Schiffspassage von Hormus blockiert ist und zunehmend auch in welchem Umfang Erdöl- und LNG-Infrastruktur in den betreffenden Staaten durch Kriegshandlungen beschädigt wird.
Die Tankertransitzeiten aus dem Persischen Golf nach Shanghai betragen etwa 20 bis 24 Tage, nach Rotterdam über den Suezkanal rund 18 bis 22 Tage. Die Route über das Kap der Guten Hoffnung nach Europa dauert hingegen etwa 32 bis 38 Tage. Unmittelbare physische Verknappungen sind aufgrund dieses zeitlichen Puffers daher zunächst nicht zu erwarten; steigende Preise infolge von Spekulation und Handelsaktivitäten erscheinen jedoch wahrscheinlich.
Direkt betroffen von der Krise sind vor allem asiatische Länder, die einen erheblichen Teil ihrer Kohlenwasserstoffimporte aus dem Nahen Osten beziehen. Besonders gilt dies für China, das mehr als die Hälfte seiner Erdölimporte aus dieser Region bezieht und seinen Eigenbedarf nur zu etwa 28 % durch heimische Förderung decken kann. Afrika importiert rechnerisch rund 13 % seines Mineralölbedarfs über Produkte aus dem Nahen Osten.
Obwohl Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate zusammen rund 19 % der weltweiten LNG-Lieferungen stellen, erscheint ein Ausfall dieser Lieferungen gemessen am globalen Erdgasverbrauch zunächst begrenzt. Regional wären die Auswirkungen jedoch erheblich: Besonders asiatische Länder sind abhängig von diesen Exporten. Indien bezog 2023 etwa 62 % seiner Erdgasimporte aus diesen beiden Staaten, China rund 14 %.
Erdöl- und Erdölprodukte werden in vielen Ländern strategisch bevorratet, sodass eine Versorgung theoretisch über Wochen und Monate sichergestellt werden kann. Die Internationale Energieagentur (IEA) verpflichtet ihre Mitglieder (meist OECD-Länder), mindestens 90 Tage Nettoimporte als strategische Reserve zu halten. China baut seit den 2000er Jahren ebenfalls eine strategische Reserve auf. Schätzungen der letzten Jahre liegen ungefähr in der Größenordnung von 80–100 Tagen Importdeckung, je nach Berechnungsmethode (strategische + staatliche Lager). In Afrika halten nur wenige Staaten strategische Reserven und viele afrikanische Länder verfügen nur über kleinere operative Vorräte, die einige Wochen Versorgung abdecken können. Daher könnten sich Versorgungsengpässe zunächst in afrikanischen Ländern zeigen.
Strategische Heliumvorräte – vergleichbar mit den strategischen Erdölreserven – existieren trotz der hohen Kritikalität dieses Rohstoffs in vielen Ländern bislang kaum. Zwar werden entsprechende Reserven vielfach geplant, tatsächlich vorhanden sind sie jedoch mit Ausnahme der USA nur in sehr geringem Umfang. Von einer Heliumkrise wären daher vor allem Europa sowie Teile Asiens, insbesondere China, betroffen.
Sollte die Sperrung der Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum andauern und darüber hinaus Erdöl- und LNG-Infrastruktur längerfristig beschädigt werden, sind globale Verknappungen insbesondere bei der Erdölversorgung sowie bei Helium zu erwarten. Mit zunehmender Dauer der Krise ist zudem damit zu rechnen, dass sich die weltweiten Energiehandelsketten zunehmend desynchronisieren und flexible Energielieferungen verstärkt einem Bieterwettbewerb unterliegen.
Geopolitische Krisen wie die gegenwärtige im Persischen Golf unterstreichen die Bedeutung strategischer Vorräte an Energierohstoffen sowie anderen kritischen Rohstoffen.