Asien ohne China

Auch ohne die Berücksichtigung Chinas als bedeutendstem Akteur auf den Rohstoffmärkten entwickelt sich der asiatische Raum zunehmend zu einem wichtigen Produzenten kritischer Rohstoffe. Die strategische Bedeutung der Region für die globale Industrie wächst kontinuierlich. Viele asiatische Länder verfügen über umfangreiche Rohstoffvorkommen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung der weltweiten Lieferketten.

Zentralasien

Die zentralasiatischen Länder Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan verfügen über bedeutende Vorkommen kritischer Rohstoffe, die für die deutsche Industrie von großer Relevanz sind. Die Region besitzt unter anderem einen beträchtlichen Anteil an den weltweiten Reserven von Manganerz, Chrom, Blei, Titan und Zink. Die Region hat eine besondere Bedeutung für die weltweite Antimonversorgung. Tadschikistan ist nach China der zweitgrößte Produzent und trägt rund ein Drittel zur globalen Förderung bei. Kirgisistan belegt weltweit den vierten Platz in Bezug auf Antimonvorräte. Usbekistan ist unter Top-10-Ländern bei der Förderung von Rhenium, Bismut und Gold und bei der Raffinadeproduktion von Indium, Tellur und Kadmium.Kasachstan ist unter den Ländern Zentralasiens besonders reich an mineralischen und energetischen Rohstoffen. Der Anteil des Rohstoffsektors am Bruttoinlandsprodukt des Landes beträgt etwa ein Fünftel. In großem Umfang werden dort Erdöl, Erdgas sowie Uran – bei Letzterem ist das Land mit rund 40 % der globalen Förderung führend – und Kohle gefördert und exportiert. Auch bei der Gewinnung von Chromerz, Gold, Silber, Zink, Bauxit, Kupfer und Molybdän zählt Kasachstan weltweit zu den Top-10-Förderländern. In der Raffinadeproduktion nimmt das Land bei zahlreichen Metallen vordere Plätze ein, etwa bei verschiedenen Ferrolegierungen, Magnesium, Titan, Kupfer und Zink. Darüber hinaus verfügt Kasachstan über große Vorräte an Industriemineralen. Bei Asbest, Baryt, Bormineralen, Fluorit und Schwefel gehört das Land ebenfalls zu den zehn größten Produzenten weltweit.Die Rohstoffpartnerschaft zwischen Deutschland und Kasachstan basiert auf dem Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich vom 8. Dezember 2012. Ergänzend hierzu hat die BGR/DERA mit dem kasachischen geologischen Dienst (NGS) im Jahr 2023 sowie mit dem National Center for Technology Foresight (NCTF) im Jahr 2024 jeweils ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, um das Rohstoffpotenzial Kasachstans im Hinblick auf neue Kooperationen mit deutschen Unternehmen zu bewerten. Im Juni 2024 und im Mai 2025 fanden zudem Reisen der DERA nach Kasachstan und Kirgisistan statt, um die Rohstoffpotenziale vor Ort zu erörtern.

Indien

Indien ist rohstoffreich und produziert bis zu 95 verschiedene Rohstoffe, darunter Energierohstoffe, etwa zehn metallische Rohstoffe, 23 nichtmetallische Rohstoffe und 55 Nebenminerale. Diese Rohstoffe werden aus einem umfangreichen Netzwerk von etwa 1.300 Bergwerken gewonnen. Der Rohstoffsektor trägt mit etwa einem Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. Indien verfügt über bedeutende Kohlevorkommen. Das starke Bevölkerungswachstum sowie steigende Einkommen haben in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer Verdoppelung des Energieverbrauchs geführt, welcher nur teilweise durch heimische fossile Rohstoffe gedeckt werden kann. Im Vergleich zu Ländern mit einem ähnlichen Entwicklungsstand zeigt Indien bereits Fortschritte bei der Diversifizierung der Energie- und Lieferquellen.Die Vorkommen mineralischer Rohstoffe umfassen Antimon, Eisen, Blei, Mangan, Glimmerschiefer, Bauxit, Seltene Erden, Titanerz, und Chromit. Die indische Regierung arbeitet an der Weiterentwicklung des Bergbausektors durch die Einführung wichtiger politischer Initiativen und regulatorische Eingriffe, z.B. mittels des Mines and Minerals (Development and Regulation) Gesetzes (MMDR). Im Jahr 2023 fiel die Entscheidung, sechs Rohstoffe, darunter auch Lithium, von der Liste der Atommineralien zu streichen, die ausschließlich durch staatliche Stellen exploriert werden durften. Dies hat den Eintritt des Privatsektors in die Erschließung und den Abbau dieser Ressourcen erleichtert. Mit der National Critical Mineral Mission (NCMM) soll die gesamte Wertschöpfung innerhalb Indiens von der Exploration, Primärförderung, Weiterverarbeitung bis zum Recycling gestärkt werden. Im Rahmen der NCMM wurden auch Richtlinien für ein umfassendes Förderprogramm veröffentlicht, das gezielt die Rückgewinnung kritischer Minerale aus Sekundärquellen wie Elektroschrott und Lithium-Ionen-Batterien unterstützt.

Mongolei

Die Mongolei ist ein bedeutender Produzent von Fluorit und spielt auch bei Molybdän, Wolfram und Kupfer eine wichtige Rolle. Die Wirtschaft des Landes ist stark vom Rohstoffsektor abhängig: Rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts sowie etwa 25 % der Steuereinnahmen und etwa 90 % der Exporte entfallen auf den Bergbau.Im Rahmen einer bilateralen Rohstoffpartnerschaft zwischen Deutschland und der Mongolei unterstützt die BGR die Mongolei beim Aufbau rohstoffwirtschaftlicher Kapazitäten in staatlichen Institutionen. Die Unterstützung erfolgt durch eine breite fachliche Ausbildung und auf wissenschaftlich-technischem Gebiet. Bereits im Jahr 2011 hat die BGR ein Investorenhandbuch zum Rohstoffpotenzial der Mongolei für ausgewählte mineralische Rohstoffe erstellt.Die BGR unterstützt die Mongolei im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit (TZ) in einem neuen Projekt zur Weiterentwicklung eines umweltverantwortlichen Bergbaus in dem ostasiatischen Land.

 

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