Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf den Kupferpreis blickt, vollzieht sich im Hintergrund eine beispiellose Entwicklung. Im Schatten neuer Allzeithochs bei den Kupfernotierungen kämpfen die Kupferhütten teilweise um die Existenz. Ihr „Lohn“ für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat zu Kupfermetall ist offiziell wertlos geworden. Ein Hüttenlohn von Null US-Dollar und sogar darunter ist mehr als eine Kuriosität, sondern birgt für viele Kupferhütten wirtschaftliche Probleme.
Hüttenlöhne, auch Treatment Charges (TC) genannt, sind das Entgelt, das Unternehmen für die Verarbeitung ihres Kupferkonzentrats an die Kupferhütten zahlen. Die Höhe der Hüttenlöhne spiegelt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Konzentrat wider. Gibt es ein Überangebot an Kupferkonzentrat, steigen die Löhne, da die Hütten ihre Dienstleistungen teuerer anbieten können. Herrscht jedoch ein Mangel, sinken die Hüttenlöhne.
Hüttenlöhne weiter im Abwärtstrend
Der Markt der Hüttenlöhne funktioniert auf zwei verschiedenen Ebenen. Einerseits vereinbaren Bergbaukonzerne mit den Hüttenbetreiber mehrmonatige Lieferverträge zu festen Preisen. Hierüber wird ein Großteil des Kupferkonzentrates für einen gewissen Zeitraum festgeschrieben. Zusätzliche Mengen kaufen die Hüttenbetreiber kurzfristig auf dem Spotmarkt dazu. Naturgemäß unterliegen die Preise auf dem Spotmarkt deutlich höheren Schwankungen und reagieren schneller auf aktuelle Marktgeschehnisse.
Die Hüttenlöhne auf dem Spotmarkt kennen seit Ende 2023 nur eine Richtung – abwärts. Im September 2023 haben die Kupferhütten noch rund 90 US$ pro Tonne Kupferkonzentrat erhalten. Nur sechs Monate später lagen diese bei 3 US$, so niedrig wie nie zuvor. Die geringen Hüttenlöhne sollten eigentlich nun dafür sorgen, dass die Hütten deutlich weniger Konzentrat auf dem Spotmarkt beziehen, da dies wirtschaftlich immer weniger Sinn ergibt. Doch das passierte nicht. Die Nachfrage nach Kupferkonzentrat stellte sich weiterhin als sehr robust dar und so fielen die Preise weiter. Im Dezember 2024 notierten die Hüttenlöhne das erste Mal sogar negativ. Das bedeutet, die Hütten wurden für ihre Arbeit nicht bezahlt, sondern zahlten sogar dafür. Anfänglich nur weniger US$ die Tonne. Der Druck nahm aber weiterhin zu und hält bis heute an. Derzeit sind die Kupferhütten sogar bereit, mehr als 70 US$ für eine Tonne Kupferkonzentrat auf dem Spotmarkt zu bezahlen.
Auch für die längerfristigen Verträge zeichnet sich ein vergleichbares Bild ab. Im Dezember 2025 soll sich das chilenische Bergbauunternehmen Antofagasta mit mehreren chinesischen Kupferhütten darauf geeinigt haben, für das Jahr 2026 keine Hüttenlöhne zu zahlen. Im Vorjahr waren es noch 21,25 US$. Damit haben auch die längerfristigen Verträge einen neuen Rekord erreicht.
System der Referenzpreise wackelt
Üblicherweise werden die Ergebnisse solcher Verhandlungen von dem Großteil der Branche übernommen. Angesichts der niedrigen Hüttenlöhne wackelt dieses System jedoch. So wollen japanische Hüttenbetreiber eigene Verhandlungen vorantreiben und sind nicht gewillt, den Referenzpreis der chinesischen Hütten zu übernehmen. Diese Entwicklung hat sich im Vorfeld abgezeichnet. Bereits im Oktober 2025 hatten Japan, Spanien und Südkorea eine gemeinsame Erklärung zu der schwierigen Situation der Kupferhütten abgegeben. Das gemeinsame Statement kritisiert die historisch niedrigen Hüttenlöhne, die durch massive Kapazitätsausweitungen in bestimmten Regionen entstanden sind. Weiter wird davor gewarnt, in eine riskante Abhängigkeit von einzelnen Ländern zu geraten und fordern eine Rückkehr zu fairen, nachhaltigen Preisniveaus.
Bergwerksförderung wächst nur moderat
Mit dem Hinweis „bestimmte Regionen“ und „einzelne Länder“ dürfte vor allem China gemeint sein. Denn dort sind in den vergangenen Jahren immer mehr neue Kupferhütten entstanden. Das globale Angebot an Kupferkonzentrat ist allerdings nicht im gleichen Maße gestiegen wie die neuen Hüttenkapazitäten. Daten zeigen, dass das Verhältnis von Hüttenproduktion und verfügbaren Konzentrat seit Jahren aus dem Takt geraden ist. Vor allem die Jahre 2023 und 2024 waren auffällig. Hier Betrug das Defizit an Konzentrat 4,2 bzw. 5,9 Prozent. Die vorläufigen Zahlen der International Copper Study Group zeigen, dass dieses Ungleichgewicht auch im Jahr 2025 sich weiter fortgeschrieben hat.
Es konkurrieren immer mehr Kupferhütten um eine begrenzte Menge Kupferkonzentrat. Die Folge dieser Konkurrenz: Die Hütten senken ihre Verarbeitungsgebühr immer weiter, um noch Konzentrat zu bekommen. Einige Hütten können diesen Wettlauf nach unten jedoch nicht mitgehen. Außerhalb Chinas kam es daher bereits zu Produktionsreduzierungen und vorübergehende Stilllegungen wie in Namibia oder Japan.
Dass viele Hütten so lange im Umfeld sinkender Hüttenlöhne weiter existieren konnten, dürfte zu einem Großteil an den Erlösen aus den Nebenprodukten liegen. Neben Schwefelsäure fallen auch Gold und Silber an. Wenn es den Hütten gelingt, mehr Gold, Silber oder auch Kupfer aus dem Konzentrat zu lösen, als vorher vertraglich vereinbart, dann können sie dieses „Free Metal“ verkaufen. Vor allem die Preisentwicklung bei Gold und Silber hat den Hütten dabei in die Karten gespielt.
China – Neue Hütten nur mit Auflagen
Um künftig einen unkontrollierten Ausbau der Hüttenkapazitäten zu verhindern, hat China im Frühjahr 2025 einen neuen Entwicklungsplan für die heimische Kupferindustrie veröffentlicht. Das Programm gibt Vorgaben für den Bau neuer Kupferhütten vor. So dürfen nur Unternehmen mit direktem Zugang zu Rohstoffquellen – etwa durch eigene Bergwerke oder Beteiligungen an Bergbauprojekten – neue Kapazitäten errichten. Auch sollen andere Sektoren besser an die Kupferindustrie gekoppelt werden. Dadurch können Nebenprodukte besser weitergenutzt werden, etwa in der Chemieindustrie.
Der rasante Ausbau der chinesischen Hüttenkapazität beschäftigt inzwischen auch das Chinese Smelter Purchase Team (CSPT) – ein Zusammenschluss der größten chinesischer Hüttenbetreiber. Im Dezember gab das CSPT bekannt, die chinesische Hüttenkapazität im Jahr 2026 um 10 Prozent zu kürzen. Im abgelaufenen Jahr 2025 erreichte China neue Produktionsrekorde. Mit rund 14,7 Mio. Tonnen Kupferkathoden produzierte das Land mehr als eine Million Tonnen mehr (+8 %) als noch im Vorjahr (NBS).
Ein Markt am Limit
Der Kupfermarkt hat eine paradoxe Ära der „wertlosen Veredelung“ erreicht. Während der globale Kupferbedarf weiter zunimmt und die Kupferpreise auf neue Rekordhöhen treibt, ist die wirtschaftliche Basis der Kupferhütten gefährdet. Die Profitabilität hängt oftmals nur noch an den Erlösen der Nebenprodukte. Trotz derzeitiger hoher Preise für Gold und Silber ist diese Situation nicht nachhaltig. Auch das System der Referenzpreise zeigt Risse. Die Weigerung japanischer Hütten, den Null-Benchmark zu akzeptieren, ist dafür ein deutliches Signal.