Gallium in Europa – Knappheit treibt die Preise

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 24.03.2026, Thema: Rohstoffmarktrisiken , Thema: Rohstoffpreise , Thema: Gallium

Gallium-Markt im Überblick angezeigt durch 3 Graphen: 1.Preisverlauf von Gallium, 2. jährliche chinesische Produktion von Rohgallium, 3. chinesische Lagerbestände von Gallium

Der europäische Galliumpreis ist in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 um über 35 Prozent gestiegen. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits Anfang 2025 eingesetzt hatte. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Seit der Einführung chinesischer Exportkontrollen hat sich der europäische Galliumpreis von seinem chinesischen Pendant entkoppelt. Europäische Unternehmen müssen derzeit fast sechsmal so viel zahlen wie Unternehmen in China.

Die Gründe für diesen deutlichen Preisanstieg sind vielfältig. Den Ausgangspunkt bildeten die chinesischen Exportkontrollen auf verschiedene Galliumspezifikationen im Jahr 2023. In deren Folge gingen die chinesischen Exporte deutlich zurück. China ist mit einem Anteil von über 98 Prozent der weltweit größte Produzent von Primärgallium. Entsprechend wirkte sich der Exportrückgang auch auf die europäischen Importe spürbar aus.

Chinesische Exportkontrollen als Auslöser des Preisanstiegs

Im Jahr 2022, also vor dem Inkrafttreten der Exportkontrollen, exportierte China fast 50 Tonnen Gallium. Etwa die Hälfte davon war Rohgallium (CCCHS: 81129290), die andere Hälfte entfiel auf Produkte aus Gallium (CCCHS: 81129990). Im Jahr 2024 sanken diese Exporte auf nur noch 65 Prozent des Niveaus von 2022. Im vergangenen Jahr gingen die chinesischen Exporte in die EU erneut zurück, auf nur noch 49 Prozent der Importmengen von 2022. Daten der chinesischen Zollbehörde zeigen, dass dieser Rückgang vor allem auf Rohgallium zurückzuführen ist. Der Export von Galliumprodukten hat dagegen wieder fast das Niveau aus dem Jahr 2022 erreicht.

Zwar konnten die EU-Importe aus anderen Ländern geringfügig erhöht werden, beispielsweise aus Kanada oder der Russischen Föderation, doch reichen die Mengen nicht annähernd aus, um den Rückgang aus China auszugleichen.

EU plant den Aufbau von Vorratslager

Ein weiter Grund für den Preisanstieg im Jahr 2026 könnte in der europäischen Strategie der vorsorglichen Lagerbildung liegen. Anfang Dezember 2025 veröffentlichte die EU-Kommission mit dem Programm ResourceEU einen Plan, der unter anderem auch die Lagerhaltung von kritischen Rohstoffen vorsieht. Hier wird Gallium explizit erwähnt.

Bereits im ersten Quartal 2026 soll unter der „EU Energy and Raw Materials Platform“ ein neuer Mechanismus eingeführt werden. Darüber sollen Käufer und Anbieter von strategischen Rohstoffen, Finanzinstitutionen und auch Anbieter von Lager-Dienstleistungen zusammengebracht und koordiniert werden.

Auch in anderen Regionen werden Pläne zur Lagerhaltung kritischer Rohstoffe vorangetrieben. So will die australische Regierung den Aufbau einer strategischen Reserve von kritischen Rohstoffen aufbauen. Dafür werden rund 1,2 Milliarden Australische Dollar (rund 850 Millionen US$) bereitgestellt, wie im Januar 2026 bekanntgegeben wurde. Ausgangspunkt dieser strategischen Reserve bilden neben den Seltenen Erden und Antimon auch Gallium.

Diese Reserve ist nicht, so wie in Europa, ein physisches Lager, sondern die Regierung sichert sich mit dem Geld die Rechte an Gallium, welches in Australien produziert wurde. Diese werden anschließend bei Bedarf an Unternehmen weiterverkauft.

In China wachsen Produktion und Lagerbestände

In China ist unterdessen die jährliche Galliumproduktion deutlich angestiegen, wie Daten des Informationsdienstleisters Asian Metal zeigen. Demnach stieg die Produktion von Rohgallium im vergangenen Jahr auf 1.040 Tonnen. Das entspricht einem Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Aufgrund der weiterhin begrenzten Ausfuhren stiegen die Lagerbestände in China deutlich. Im Januar 2026 beliefen sich diese auf rund 100 Tonnen und damit knapp 10 Prozent der Jahresproduktion.

Der Fall Gallium zeigt exemplarisch, wie schnell hochkonzentrierte Angebotsmärkte aus dem Gleichgewicht geraten können. Genau an diesem Punkt setzt Europa nun mit verschiedenen Maßnahmen an, etwa mit dem Aufbau strategischer Lagerbestände und dem Versuch, Beschaffung und Versorgung breiter aufzustellen. Auch wenn damit kurzfristig höhere Preise in Kauf genommen werden müssen.