Chinas Magnesiumproduzenten unter Kostendruck

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 15.10.2026, Thema: China , Thema: Magnesium , Thema: Rohstoffpreise

Chinesische Magnesium-Produktion im Zeitraum Januar bis August der Jahre 2021 bis 2026 (in tausend Tonnen). Die Werte basieren auf Befragungen von Magnesiumproduzenten und sind keine amtliche Meldestatistik. Quellen: Shanghai Metals Market, China Non-Ferrous Metals Industry Association.

China produziert deutlich mehr Magnesium als in den vorangegangenen Jahren. Doch während die Magnesiumpreise in den letzten Monaten stabil geblieben sind, haben gestiegene Rohstoffkosten die Produktion verteuert. Besonders die Kosten für Ferrosilizium belasten die Margen vieler Produzenten. Zusätzlich belasten Versorgungsprobleme mit geeignetem Dolomit chinesische Magnesiumproduzenten und sorgen für Anpassungen der Produktions- und Lieferketten in China.

Produktion auf Höchststand

In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 produzierte China deutlich mehr Magnesium als in den Jahren zuvor. Mit weit über 750.000 Tonnen stieg die Produktion um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2022 mit einer Jahresproduktion von mehr als 1 Mio. t dürfte in diesem Jahr daher übertroffen werden.

Nach Berichten von Asian Metal und Mysteel trifft dieses hohe Angebot auf eine verhaltene Nachfrage der nachgelagerten Industrien. Auch die sonst übliche saisonale Belebung ab September blieb dieses Jahr unter den Erwartungen und die Magnesiumpreise verharrten auf niedrigem Niveau. Für viele Hersteller ist diese Situation problematisch, denn gestiegene Produktionskosten können nicht oder nur unzureichend über höhere Verkaufspreise gedeckt werden.

Preissteigerungen durch Dolomit und Ferrosilizium

Chinas Magnesiumproduktion basiert auf dem Pidgeon-Prozess. Damit werden neben Energie im Wesentlichen zwei Rohstoffe für die Produktion benötigt: Dolomitstein als magnesiumhaltiger Ausgangsrohstoff und Ferrosilizium, welches zur Gewinnung von Magnesium-Metall als Reduktionsmittel eingesetzt wird. Die Entwicklungen beider Märkte haben Auswirkungen auf die Herstellung und Produktionskosten von Primärmagnesium. Dies zeigte die Entwicklung im Jahr 2021 sehr deutlich. Damals stand der globale Magnesiummarkt unter Druck, als China seine Ferrosiliziumproduktion merklich einschränkte.

Für die chinesische Magnesiumproduktion ist die Provinz Shaanxi von besonderer Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen knapp 66 Prozent der landesweiten Produktion auf diese Provinz. Der für die Magnesiumproduktion benötigte Dolomit stammte bisher hauptsächlich aus Wutai in der benachbarten Provinz Shanxi. Doch seit Dezember 2025 kam von dort immer weniger Dolomit. Durch Umweltinspektionen, ausgelaufene Bergbaukonzessionen sowie zusätzliche Sicherheitsüberprüfungen infolge eines Grubenunglücks im Mai 2026 stand weniger Dolomit zur Verfügung. Diese Angebotsknappheit spiegelt sich im Preisverlauf für Dolomit aus Wutai wider. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg der Preis für Dolomit um mehr als 50 Prozent.

Viele Magnesiumproduzenten stellten daher ihre Lieferkette um und bezogen Dolomit aus anderen Regionen. Aufgrund unterschiedlicher Qualitäten waren jedoch Prozessanpassungen notwendig, die die Herstellungskosten zusätzlich erhöhten. Hinzu kamen höhere Transportkosten, da Dolomit nun aus deutlich weiter entfernten Provinzen angeliefert werden musste.

Neben Dolomit verteuerte sich auch Ferrosilizium deutlich. Innerhalb eines Jahres um rund 12 Prozent. Dies erhöhte den Kostendruck für die chinesischen Magnesiumproduzenten zusätzlich. Im Pidgeon-Prozess wird für die Herstellung von einer Tonne Magnesium etwas mehr als 1 Tonne Ferrosilizium eingesetzt. Preisänderungen bei Ferrosilizium schlagen sich daher deutlich auf die Produktionskosten nieder. Ende August 2026 gab es erste Meldungen zu Produktionskürzungen, die unter anderem mit den gestiegenen Kosten für Ferrosilizium begründet wurden.

Preisentwicklung für Magnesium, Dolomit und Ferrosilizium seit Juli 2025

Aufgrund der weiterhin schwachen Magnesium-Nachfrage können die Produzenten die gestiegenen Rohstoffkosten nur begrenzt weitergeben.

Produzentenlager und staatlich gelenkte Lagerbestände

Nach den Angaben von Asian Metal befanden sich im August 2026 rund 32.500 Tonnen Magnesium in den Lagern chinesischer Produzenten. Dies stellt zwar einen deutlichen Rückgang von über 10.000 Tonnen gegenüber dem Vormonat dar, ist jedoch mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Neben den Produzentenlagern existiert in China noch ein weiteres Lagersystem, welches durch die Yulin Magnesium Group betrieben wird. Die Yulin wurde im Jahr 2020 unter der Beteiligung der staatlichen Yulin Energy Group, Shaanxi Nonferrous Metals Trading Centre, der kommunalen Verwaltung von Fugu sowie regionaler Magnesiumproduzenten gegründet. Sie soll durch gezielte Ankäufe und Einlagerung Preisschwankungen abfedern und die Versorgung der Magnesiumverbraucher absichern. Das Hauptlager befindet sich bei Yulin in Shaanxi und soll eine Kapazität von 100.000 Tonnen haben. Auch wenn keine aktuellen Zahlen über den Umfang der Lagerbestände veröffentlicht wurden, so befanden sich im Oktober 2025 rund 50.000 Tonnen Magnesium bei der Yulin Group.

Damit beeinflussen beide Systeme das verfügbare Angebot. Über die Bestände der Magnesiumproduzenten wird der laufende Absatz bedient und über die Lager der Yulin Group können Mengen zeitweise vom Markt genommen und später wieder freigegeben werden.

Liefernetzwerk bis nach Rotterdam

Doch die Yulin Group betreibt nicht nur Lager zur Stabilisierung des nationalen Magnesiummarktes. Neben dem Hauptlager bei Yulin und einem weiteren Exportlager in Tianjin unterhält das Unternehmen auch mindestens zwei Verteilerlager, eines im japanischen Nagoya und ein weiteres im niederländischen Rotterdam. Weitere Standorte in Kanada, Brasilien und Indien sind geplant. Über dieses Netzwerk können Lieferungen organisiert, transportiert und nahe der Zielmärkte bevorratet werden.

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