Mit der zweiten Auswahlrunde strategischer Rohstoffprojekte unter dem Critical Raw Materials Act (CRMA) hat die EU weitere Projekte benannt. Innerhalb der EU wurden 46 Vorhaben in 16 Mitgliedstaaten ausgewählt. Deutschland ist in der neuen Runde mit acht Projekten am stärksten vertreten, gefolgt von Frankreich, Italien und Finnland mit jeweils fünf Projekten.
Fokus verschiebt sich Richtung Recycling
In der ersten Auswahlrunde lag der Schwerpunkt der Projekte auf dem Bergbau, der Weiterverarbeitung sowie auf Kombinationen dieser beiden Bereiche. In der zweiten Runde nimmt dagegen das Recycling eine deutlich stärkere Rolle ein. Rund 39 Prozent der ausgewählten Vorhaben sind Recyclingprojekte. Weitere 24 Prozent sind Projekte der Weiterverarbeitung, 17 Prozent betreffen den Bergbau und rund 20 Prozent sind Kombinationen der drei Bereiche. Mit der zweiten Runde setzt die EU-Kommission verstärkt auf den Aufbau einer europäischen Kreislaufwirtschaft für strategische Rohstoffe.
Doch nicht nur in den Projektarten unterscheiden sich die Auswahlrunden. Auch die Anzahl der berücksichtigten Rohstoffe wurde in der zweiten Runde deutlich erweitert. Während in der ersten Runde viele Projekte aus der Batteriewertschöpfung benannt wurden, wurden nun auch weitere Rohstoffe ausgewählt, darunter Aluminium, Magnesium, Niob und Titan.
Hohes Antragsinteresse
Das Interesse am Status als strategisches EU-Projekt blieb weiterhin hoch. Insgesamt gingen 161 Anträge ein, davon 95 aus der EU und 66 aus Drittstaaten beziehungsweise überseeischen Ländern und Gebieten. Bereits in der ersten Runde waren 170 Anträge eingegangen.
Ob aus dem strategischen Status tatsächlich zusätzliche Kapazitäten entstehen, entscheidet sich jedoch erst bei der Umsetzung. Erfahrungen der ersten Projektgeneration zeigen, dass hierbei Schwierigkeiten auftreten können. Am häufigsten stellt die Finanzierung das größte Hindernis dar. Hinzu kommen fehlende oder nicht ausreichend langfristige Abnahmeverträge. Auch Genehmigungsverfahren bleiben trotz der im CRMA vorgesehenen Beschleunigung ein wichtiger Faktor.
Entscheidend ist die Umsetzung
Die zweite Runde erhöht nicht nur die Anzahl der strategischen EU-Projekte, sondern auch den Umsetzungsdruck. Die 46 zusätzlichen Vorhaben verbreitern das potenzielle Rohstoffangebot Europas und stärken insbesondere Recycling und Weiterverarbeitung. Für die Versorgungssicherheit der EU ist jedoch nicht allein die Anzahl der ausgewählten Projekte entscheidend. Maßgeblich ist vielmehr, wie viele davon tatsächlich finanziert, genehmigt, gebaut und langfristig wettbewerbsfähig betrieben werden können. Der strategische Projektstatus ist zwar ein wichtiger erster Schritt, die eigentliche Bewährungsprobe bleibt aber die Umsetzung.