Im März 2025 veröffentlichte die EU eine Liste mit 47 Projekten innerhalb der EU, die als strategisch für die Rohstoffversorgung der Union angesehen werden. Für den Großteil dieser Projekte ist nach wie vor die Finanzierung die größte Hürde. Vor allem mangelt es an Kapital für die Exploration neuer Lagerstätten und für Projekte der Weiterverarbeitung. Um das selbstgesteckte Ziel der Förderung kritischer Rohstoffe innerhalb der Union bis 2030 zu erreichen, müssten nach der Europäischen Investitionsbank (EIB) die jährlichen Explorationsausgaben in der EU verzehnfacht werden.
In einem im Juli 2026 veröffentlichten Bericht kommt die EIB zu dem Schluss, dass jährlich rund 2 Mrd. € in die Erkundung neuer Rohstoffvorkommen investiert werden müssten. Dies sei notwendig, um die Vorgaben aus dem Critical Raw Materials Act (CRMA) zur heimischen Förderung von kritischen Rohstoffen (10 Prozent der EU-Nachfrage) zu erreichen. Die durchschnittlichen Explorationsausgaben in der EU lagen für den Zeitraum 2015 bis 2024 lediglich bei 200 Mio. € pro Jahr und müssten demnach deutlich steigen.
Hohe Risiken schrecken Investoren ab
Auch der Europäische Rechnungshof kommt in einem Sonderbericht vom April 2026 zu einer ähnlichen Einschätzung. Demnach steht der Explorations- und Bergbausektor in der EU vor erheblichen Herausforderungen bei der Finanzierung. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Explorationsprojekte gelten aufgrund hoher Vorlaufkosten und einer sehr geringen Erfolgswahrscheinlichkeit als besonders risikoreich. Der Europäische Rechnungshof verweist darauf, dass Schätzungen zufolge lediglich eines von 1.000 gezielten Explorationsvorhaben zu einem erfolgreichen Bergbauprojekt führt. Entsprechend meiden viele Finanzinstitute diese frühe und hochunsichere Projektphase. Für Bergwerksprojekte werden auch vom Rechnungshof unter anderem Umweltauflagen, Energiepreise sowie Schwankungen der Rohstoffpreise als Gründe angeführt.
Strategische Projekte schlagen Alarm
Wie ernst das Finanzierungsproblem ist, zeigt ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 8. September 2026. Demnach wandten sich im August 2026 insgesamt 23 der 60 strategischen Projekte (innerhalb und außerhalb der EU) mit einem „Urgent Call to Action“ an die Kommission. Die Projektträger warnten vor Finanzierungsproblemen und dass Fortschritte bei Finanzierung, Marktzugang und Genehmigungen zu langsam erfolgten. Die Warnung ist deshalb bemerkenswert, weil die Projekte aufgrund ihrer strategischen Bedeutung für die europäische Rohstoffversorgung ausgewählt worden waren.
Das Finanzierungsproblem war bereits bei der Verabschiedung des CRMA bekannt. Nach Artikel 15 des CRMA soll die Europäische Kommission Maßnahmen ergreifen, um private Investitionen in strategische Projekte zu beschleunigen und zusätzliches Kapital zu mobilisieren. Artikel 16 sieht darüber hinaus eine Koordinierung der Finanzierung vor und benennt auch Finanzierungsmöglichkeiten über die EIB-Gruppe.
Mit dem im Dezember 2025 veröffentlichten RESourceEU Action Plan hat die Kommission diesem Punkt Rechnung getragen. Mit bis zu 2 Mrd. € pro Jahr kann die EIB unter anderem auch strategische Projekte unterstützen.
Mit Blick auf die zweite Runde neuer strategischer Projekte der EU besteht die Herausforderung darin, wie für diese Projekte genügend Kapital bereitgestellt werden kann. Denn trotz der geschaffenen Finanzierungsinstrumente der EU zeugt der „Urgent Call to Action“ von den weiterhin bestehenden Finanzierungsproblemen.