Versorgungslage der EU mit verflüssigtem Erdgas (LNG)

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 13.08.2026, Thema: EUAussenhandel , Thema: Erdgas

LNG-Importmengen (Mrd. m3) in die EU im Jahr 2025 (GIIGNL 2026 ; Angaben umgerechnet auf gasförmiges Erdgas).
LNG-Importmengen (Mrd. m3) in die EU im Jahr 2025 (GIIGNL 2026 ; Angaben umgerechnet auf gasförmiges Erdgas).

Die EU steigerte 2025 ihre Importe von verflüssigtem Erdgas (LNG) gegenüber dem Vorjahr um 30 % auf rund 143 Mrd. m³. Der LNG-Anteil am Erdgasverbrauch der EU stieg auf rund 42 %. Die globalen kriegerischen Konflikte führen insgesamt zu einer angespannten Versorgungslage bei Erdgas mit entsprechenden Marktturbulenzen und Preisvolatilitäten. Der strategische Vorteil von LNG gegenüber pipelinegebundenem Erdgastransport ist der globale Handel und die damit verbundene mögliche Diversifizierung der Importe. Allerdings schwindet dieser Vorteil, wenn einzelne Märkte eine dominante Position haben, wie sich aktuell mit der Blockade der Straße von Hormus zeigt.
Die drei größten LNG-Exporteure im Jahr 2025 waren die Vereinigten Staaten (150 Mrd. m3, 26 % Anteil), Katar (111 Mrd. m3, 19 % Anteil) und Australien (108 Mrd. m3, 18 % Anteil). In die EU wurde LNG in 2025 vor allem aus den Vereinigten Staaten (81 Mrd. m³), der Russischen Föderation (20 Mrd. m³) und Katar (12 Mrd. m³) geliefert. Dabei nahmen die Importmengen aus der Russischen Föderation (minus 6 %) und Katar (minus 11 %) im Vergleich zum Vorjahr ab, während sich die Importe aus den USA mit plus 68 % deutlich steigerten GIIGNL 2026.

In der Folge des Angriffskrieges der Russischen Föderation auf die Ukraine kostete Erdgas in der EU im Jahr 2022 im Schnitt rund 14 ¢/kWh, während es in den Vor-Corona-Jahren 1,5-2,6 ¢/kWh waren. Der Preis sank 2024 auf rund 4 ¢/kWh und auf 3,5 ¢/kWh in 2025. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Persischen Golf und der zeitweisen Blockade der Straße von Hormus, durch die sonst rund 20 % des globalen LNG transportiert werden, liegt der Preis im Sommer 2026 bei rund 6 ¢/kWh.


Die Situation auf dem globalen LNG-Markt bleibt angespannt. Weltweit standen 48 LNG-Importnationen 24 LNG-exportierenden Ländern gegenüber. Den größten Anteil mit 63 % an den weltweiten LNG-Importen hatte Asien, wobei auf China (91 Mrd. m3), Japan (90 Mrd. m3) und Südkorea (66 Mrd. m3) die größten Mengen entfielen. Die globale Verflüssigungskapazität stieg zwar um rund 45 Mrd. m³ mit dem größten Zubau in den Vereinigten Staaten (23 Mrd. m3) und Kanada (19 Mrd. m³), wo das erste LNG-Exportterminal an der Westküste in Betrieb genommen wurde. Kanada wurde damit zum LNG-Exportland, ebenso wie Mauretanien. Die Regasifizierungskapazität der Importländer stieg allerdings stärker an und wuchs um rund 80 Mrd. m³. Rechnerisch belief sich damit die weltweite durchschnittliche Auslastung der Regasifizierungsterminals auf 42 %; das entspricht auch den Vorjahreswerten. 


Vor dem Aufflammen des Irankrieges war erwartet worden, dass sich der LNG-Markt durch einen deutlichen Ausbau der weltweiten Erdgasverflüssigungskapazitäten entspannen würde. Katar allein plante bis 2028 rund 60-70 Mrd. m3 an Verflüssigungskapazität zuzubauen. Durch den iranischen Angriff auf die weltweit größte Anlage in Ras Laffan sank allerdings deren Kapazität um rund 17 Mrd. m3. Insgesamt sind am Persischen Golf über 100 Mrd. m3 an Verflüssigungskapazität weitgehend vom Weltmarkt abgeschnitten. Neben Katar erfolgt der stärkste Zubau an Verflüssigungskapazität in den Vereinigten Staaten, aber auch andere Länder bauen ihre Kapazitäten aus bzw. kommen neu an den Markt, etwa Argentinien, Mosambik und Mexiko. Die aktuelle geopolitische Situation mit den Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte dürfte diese neuen LNG-Exporteure zu interessanten Partnern machen, um die Erdgasversorgung der Importländer zu diversifizieren.

Ihr
Kontakt

Dr. Rüdiger Lutz

Telefon: 0511 643-2450

Ruediger.Lutz@bgr.de