Wie stark Chinas Exportkontrollen inzwischen auf den europäischen Märkten durchschlagen, lässt sich anhand der Preisunterschiede zwischen Europa und China deutlich ablesen. In Europa liegen die Preise für mehrere betroffene Rohstoffe teils weit über dem chinesischen Niveau. Dies gilt vor allem für Yttrium, Gadolinium, Gallium, Dysprosium und Terbium. Diese Preisunterschiede spiegeln Lieferengpässe außerhalb Chinas wider und führen zu Unsicherheiten in Bezug auf Planbarkeit und Lieferzeiten.
Die größten Preisunterschiede bei den Seltenen Erden betreffen insbesondere Yttrium, Gadolinium, Dysprosium und Terbium. Im April 2025 hatte das Handelsministerium der Volksrepublik China(MOFCOM) in einer Mitteilung bekanntgegeben, dass für verschiedene mittlere und schwere Seltene Erden mit sofortiger Wirkung Exportkontrollen in Kraft treten. Dies hat bis heute Auswirkungen auf die europäischen Preise. Die Aufschläge gegenüber den chinesischen Inlandspreisen liegen in Europa bei dem 146-Fachen für Yttrium sowie dem 57-Fachen für Gadolinium.
Chinas Exportkontrollen sind formal keine generellen Ausfuhrverbote, sondern genehmigungspflichtige Beschränkungen. Für kontrollierte Güter sind Lizenzen nötig, und Exporteure müssen bei der Zollanmeldung detaillierte Angaben zu Ware, Endverwendung und Endnutzer machen. Zolldaten zeigen eindeutig, dass die Ausfuhren der betroffenen Seltenen Erden seitdem deutlich rückläufig sind. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 sind die europäischen Importe der betroffenen Seltenen Erden aus China (CN-Code: 28469090, 28469060, 28469050) gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 45 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2024 sogar um über 60 Prozent. Auch die EU-Importe aus anderen Ländern wie beispielsweise Japan oder Malaysia sind in diesem Jahr um bis zu 78 Prozent eingebrochen.
Auch bei Gallium und Germanium sind deutliche Aufschläge zu verzeichnen
Aber nicht nur die Seltenen Erden sind betroffen. Auch die Preise für Gallium und Germanium liegen in Europa bei dem Neunfachen beziehungsweise 3,5-Fachen. Hier lässt sich nicht nur ein deutlicher Rückgang der chinesischen Exporte feststellen, sondern auch eine Verschiebung innerhalb der exportierten Waren.
Mit dem Inkrafttreten der chinesischen Exportkontrollen auf Gallium und Germanium im August 2023 sind die Galliumexporte zunächst deutlich eingebrochen. Im Jahr 2022, also vor dem Inkrafttreten der Exportkontrollen, exportierte China fast 95 Tonnen Gallium. Rund ein Drittel davon war Rohgallium (CN-Code: 81129290), während zwei Drittel der Exporte auf bearbeitetes Gallium bzw. Produkte daraus (CN-Code: 81129990) entfielen. Im Jahr 2023 sanken die gesamten Galliumexporte Chinas auf nur noch 49 Prozent des Niveaus von 2022. Mittlerweile haben sich die chinesischen Ausfuhren von Gallium wieder erholt und liegen fast auf dem Niveau des Jahres 2021. Jedoch verließ kaum noch Rohgallium China, sondern 98,5 Prozent aller Galliumexporte waren bearbeitetes Gallium.
Auch die chinesischen Exporte von Germanium sind deutlich rückläufig. Exportierte China im Jahr 2022 noch fast 25 Tonnen, vor allem bearbeitetes Germanium (CN-Code: 81129910), betrug das Exportvolumen im Jahr 2025 nur noch knapp 5 Tonnen.
Unternehmen rücken in den Fokus
Nun kommt hinzu, dass China die Exportkontrollen weiter verschärft hat. Am 24. April 2026 setzte das MOFCOM sieben EU-Unternehmen auf die Exportkontroll-Sperrliste, darunter auch die deutsche HENSOLDT AG. Am 22. Juni 2026 untersagte Peking mit sofortiger Wirkung die Ausfuhr von Dual-Use-Gütern an zehn US-Unternehmen. Betroffen waren unter anderem die beiden US-amerikanischen Seltenerdproduzenten MP Materials und USA Rare Earth sowie weitere Unternehmen aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie weitere Bereiche. Am 29. Juni nahm das MOFCOM mit sofortiger Wirkung weitere 20 japanische Unternehmen in die Exportkontrollliste auf und setzte zugleich 20 Unternehmen auf eine Beobachtungsliste. Chinesische Exporteure dürfen diesen Unternehmen keine Dual-Use-Güter liefern, und auch Dritte dürfen keine chinesisch-originären Dual-Use-Güter an sie weiterreichen.
Für europäische Unternehmen sind diese Maßnahmen relevant, auch wenn sie selbst nicht direkt betroffen sind. Denn die chinesischen Exportkontrollregeln verlangen eine genauere Prüfung von Endnutzer und Endverwendung und erhöhen damit den Druck entlang der gesamten Lieferkette. Wer betroffene Rohstoffe oder Vorprodukte aus China einkauft, muss auch angeben, wohin die Ware geht.
Aus europäischer Sicht wird das Risiko damit komplexer. Nicht nur der unmittelbare Bezug aus China wird komplizierter, sondern auch das Geschäft mit Drittstaaten und Endkunden in sicherheitsrelevanten Sektoren. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass China Exportkontrollen zunehmend nicht nur als Rohstoffinstrument, sondern auch als geopolitisches Steuerungsinstrument einsetzt.
Weitere Exportkontrollen ab November
Derzeit richtet sich der Blick auf das Maßnahmenpaket vom 9. Oktober 2025. Damals hatte das MOFCOM eine Vielzahl weiterer Exportkontrollen angekündigt, unter anderem auch für die Seltenen Erden Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium sowie Produkte daraus erlassen. Diese Ankündigung wurde kurze Zeit später bis zum 10. November 2026 ausgesetzt. Nach derzeitigem Stand werden dann auch dafür Exportgenehmigungen nötig sein.