Rückgang der chinesischen Stahlexporte im Q1 2026

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 02.06.2026, Thema: China , Thema: Eisen & Stahl

Seit 2020 verzeichnet China einen deutlichen Anstieg seiner Stahlexporte, die 2025 ein Rekordniveau erreichten. Parallel dazu gingen die durchschnittlichen Exportpreise seit 2022 kontinuierlich und deutlich zurück.
Chinas Exporte von Stahlprodukten (entsprechen chinesischen Zollwarennummern 7208-7217,7219-7223,7225-7229,7301-7307), Quelle: Global Trade Tracker

Der chinesischen Zollverwaltung zufolge exportierte China im ersten Quartal 2026 insgesamt 24,7 Mio. Tonnen Stahlprodukte. Dies entspricht einem Rückgang von 9,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch im April 2026 setzte sich dieser Trend fort: Die Ausfuhren lagen rund 9 % unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Als wesentliche Ursache gilt die Einführung eines neuen Exportlizenzsystems für Stahlprodukte zu Beginn dieses Jahres.

Bereits im Dezember 2025 hatte die chinesische Regierung angekündigt, zum 1. Januar 2026 erneut ein Exportlizenzsystem für zahlreiche Stahlprodukte einzuführen. Damit wurde ein entsprechendes System erstmals seit seiner Abschaffung im Jahr 2009 wieder implementiert. Die Regelung umfasst rund 300 Zolltarifnummern entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Stahlindustrie.

Formal stellt das neue System keine Exportquote dar. Gleichwohl erhöht es den administrativen und regulatorischen Aufwand für exportierende Unternehmen und führt damit zu höheren Compliance-Kosten. Die Auswirkungen der angekündigten Regulierung waren bereits Ende 2025 sichtbar. Im Dezember 2025 erreichten die chinesischen Stahlexporte einen neuen monatlichen Höchststand, da zahlreiche Lieferungen vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen vorgezogen wurden.

Hintergrund der neuen Regulierung ist insbesondere der starke Anstieg der chinesischen Stahlexporte in den vergangenen Jahren. Nach chinesischen Angaben beliefen sich die Stahlproduktexporte im Jahr 2025 auf insgesamt 119 Mio. Tonnen und übertrafen damit den bisherigen Rekordwert von 112,4 Mio. Tonnen aus dem Jahr 2015. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Exportpreis im Jahresvergleich um 8,1 % (siehe Abb.). Parallel dazu haben zahlreiche Importländer ihre handels- und antidumpingrechtlichen Maßnahmen gegenüber chinesischen Stahlprodukten verschärft. Auch die Europäische Union hat in der Vergangenheit wiederholt Antidumpingverfahren gegen chinesische Stahlprodukte eingeleitet und im vergangenen Jahr zusätzliche Zölle auf bestimmte Stahlerzeugnisse chinesischen Ursprungs umgesetzt. Insgesamt hat sich der internationale handelspolitische Druck auf chinesische Stahlprodukte verstärkt.

In den vergangenen Jahren fungierten die chinesischen Stahlexporte zunehmend als Ventil zum Abbau inländischer Überkapazitäten und zur Kompensation der schwachen Binnennachfrage. Das neue Exportlizenzsystem dürfte daher auch industriepolitische Ziele verfolgen. Insbesondere standardisierte Massenprodukte mit niedrigen Margen und hohen Exportvolumina werden durch die zusätzlichen administrativen Anforderungen stärker belastet. Demgegenüber können höherwertige und stärker verarbeitete Stahlerzeugnisse die zusätzlichen Kosten voraussichtlich leichter absorbieren. Dies sollte zu einer strukturellen Verschiebung der chinesischen Stahlexporte führen — weg von einer volumenorientierten Exportstrategie hin zu einer stärkeren Fokussierung auf höherwertige Produkte und entsprechend höhere Exporterlöse.