Doppelter Kostenschub im Bergbau

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 13.05.2026, Thema: Kupfer , Thema: Kobalt , Thema: Nickel , Thema: Rohstoffpreise , Thema: Rohstoffhandel , Thema: Mobilitaetstechnologien

Die Abbildung zeigt eine Weltkarte mit Handelsströmen für Schwefel und Schwefelsäure.
Weltkarte zu Schwefel- und Schwefelsäureströmen. Die gelben Pfeile zeigen die Schwefelexporte aus den Golfstaaten (Spiegeldaten) in die vier wichtigsten Abnehmerländer, die zusammen 85 Prozent der Gesamtexporte der Region aufnehmen. Die dunkelroten Pfeile zeigen die chinesischen Schwefelsäureexporte zu den wichtigsten Zielländen. Saudi-Arabien und Oman sind in hellem Rot hervorgehoben, da diese Staaten zumindest teilweise über Seehäfen außerhalb des Persischen Golfs verfügen. Quelle: Global Trade Tracker.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wirken sich zunehmend auf globale Rohstofflieferketten aus. Neben steigenden Energiepreisen geraten auch wichtige Vorprodukte und Prozesschemikalien unter Druck. Besonders betroffen sind Schwefel und Schwefelsäure. Beide Stoffe sind zentrale Einsatz- und Vorprodukte für die Gewinnung und Weiterverarbeitung zahlreicher mineralischer Rohstoffe. Sie spielen unter anderem bei der Produktion von Kupfer, Nickel, Kobalt und Batterierohstoffen eine wichtige Rolle.

Die gestiegenen Energiepreise erhöhen weltweit den Kostendruck in der Rohstoffgewinnung. Laut Daten von S&P machen Energiekosten im globalen Durchschnitt rund 20 Prozent der Produktionskosten in der Kupfergewinnung aus. Bei Nickel, Zink und Blei liegt der Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten dagegen nur zwischen 13 und 15 Prozent. Daher dürfte insbesondere Kupfer von den gestiegenen Energiekosten betroffen sein.

Nach Untersuchungen von CRU stiegen die Gewinnungskosten bei Kupfer im ersten Quartal 2026 gegenüber dem vierten Quartal 2025 allein durch höhere Energie- und Lohnkosten um 8 Prozent. Mit einer Angebotsverknappung allein aufgrund höherer Energiepreise ist jedoch nicht zu rechnen. Wegen des hohen Kupferpreises können selbst Projekte mit den höchsten Produktionskosten derzeit noch profitabel wirtschaften.

Schwefel als Nadelöhr

Für die Kupfer- und weitere Rohstoffindustrien könnten die größeren Probleme jedoch von anderer Seite kommen. Die Gewinnung von Kupfer, Nickel und Kobalt erfolgt teilweise über Laugungsprozesse unter Einsatz von Schwefelsäure. Bei Kupfer liegt dieser Anteil bei ungefähr 20 Prozent. Wichtigster Rohstoff zur Herstellung von Schwefelsäure ist Schwefel.

Für den globalen Schwefelhandel haben die Anrainerstaaten des Persischen Golfs eine zentrale Bedeutung. Schwefel fällt dort bei der Aufbereitung von Erdgas und Erdöl an und wird größtenteils exportiert. Rund 50 Prozent des global gehandelten Schwefels stammten im vergangenen Jahr aus der Golfregion, besonders dominant sind hier die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien.

Der Schwefel aus der Golfregion wird vor allem nach China und Indonesien geliefert. China importiert Schwefel in erster Linie als Rohstoff für Schwefelsäure, welche größtenteils für die Produktion von Phosphatdünger verwendet wird. Darüber hinaus geht ein Teil der Schwefelsäure auch in die Metallverarbeitung. China ist aber auch großer Exporteur von Schwefelsäure, vor allem nach Chile, wo die Schwefelsäure zur Kupfergewinnung eingesetzt wird. Im vergangenen Jahr beliefen sich diese Exporte auf 1,5 Millionen Tonnen.

Darüber hinaus ist auch die Kupfer- und Kobaltproduktion in der DR Kongo auf Schwefelsäure für die Aufbereitung angewiesen. Auch wenn die DR Kongo den benötigten Schwefel zu etwa 90 Prozent und Schwefelsäure nahezu vollständig aus Südafrika bezieht, hängt die Lieferkette mittelbar erneut an den Golfstaaten. Denn Südafrika wiederum importiert den dafür notwendigen Schwefel fast ausschließlich aus den Golfstaaten.

Auch die Nickel- und Kobaltgewinnung hängt an der Schwefelversorgung

Und Indonesien? Das Land ist weltweit der zweitgrößte Kobalt- und der größte Nickelproduzent. Durch massive chinesische Investitionen und den Einsatz chinesischer Technologien wurden dort in den vergangenen Jahren unter anderem zahlreiche Drucklaugungsanlagen errichtet. Auch hierfür wird Schwefelsäure benötigt.

Diese Schwefelsäure wird vor allem aus China importiert. Jedoch produziert Indonesien deutlich mehr Schwefelsäure, als es importiert. Der dafür benötigte Schwefel muss allerdings auch importiert werden, vor allem aus den Golfstaaten.

Globaler Schwefelmarkt gerät weiter unter Druck

Seit der Sperrung der Straße von Hormus sind die Schwefelpreise global deutlich gestiegen. In China haben sie sich seit Ende Februar 2026 verdoppelt und liegen derzeit bei rund 220 US$ je Tonne. Die stark gestiegenen Preise für Schwefelsäure verändern derzeit die Marktbedingungen der Kupferhütten. Da Schwefelsäure ein wichtiges Nebenprodukt der Kupferraffination ist, verbessern höhere Erlöse aus dem Verkauf von Schwefelsäure die Margen der Hütten.

Offensichtlich scheinen die gestiegenen Preise für Schwefelsäure die negativen Hüttenlöhne sogar weiter zu befeuern. Denn der Abwärtstrend hat sich beschleunigt. Nach Angaben des Informationsdienstleisters Fastmarkets fielen die Hüttenlöhne bis zum 8. Mai auf minus 121 US$ pro Tonne Konzentrat. Offenbar profitieren die Kupferhütten mehr vom gestiegenen Preis für Schwefelsäure, als sie Verluste durch die negativen Hüttenlöhne erleiden.

Dennoch, die hohen Preise für Schwefel und damit auch Schwefelsäure belasten Unternehmen, die Kupfer, Kobalt und Nickel mittels Laugung extrahieren. Ein Beispiel ist Huayou Cobalt. Ende April kündigte das Unternehmen an, ab dem 1. Mai rund die Hälfte der Kapazität seines indonesischen Joint Ventures Huafei Nickel Cobalt vorübergehend stillzulegen. Auch in der DR Kongo sind laut Reuters die Auswirkungen bereits zu spüren. Bergbauunternehmen reduzieren demnach den Einsatz von schwefelbasierten Chemikalien.

In dieser angespannten Situation verdichten sich nun Hinweise auf eine Einschränkung chinesischer Exporte von Schwefelsäure. Mehrere Marktberichte deuten darauf hin, dass Lieferungen seit Anfang Mai 2026 zurückgehen oder teilweise ausgesetzt werden. Eine offizielle Bekanntmachung der chinesischen Regierung liegt bislang nicht vor. Shanghai Metals Market berichtet, dass chinesischen Kupferhütten keine Exportgenehmigungen für Schwefelsäure erhalten haben. Beobachter führen die Entwicklung unter anderem auf eine stärkere Priorisierung des Inlandsmarktes sowie auf angespannte Versorgungslagen bei Vorprodukten zurück.

Bereits am 07. April soll die Türkei den Export von Schwefel untersagt haben, wie Argus Media berichtet. Diese Maßnahme wurde auf stark gestiegene Schwefelpreise und eine angespannte Versorgungslage zurückgeführt. Der Exportstopp soll bis in das dritte Quartal 2026 gelten.

Weitere Batterierohstoffe betroffen

Doch nicht nur die Gewinnung von Kupfer, Nickel und Kobalt – allesamt wichtige Rohstoffe für Lithium-Ionen-Batterien – ist von Schwefelsäure abhängig. Bei nahezu allen Batterierohstoffen kommt im Laufe der Verarbeitung Schwefelsäure zum Einsatz. Bei bestimmten Prozessen der Lithiumextraktion aus Spodumen wird Schwefelsäure eingesetzt. Auch bei der Weiterverarbeitung von Mangan, Kobalt oder Nickel zu batterietauglichen Sulfaten wird Schwefelsäure verwendet. Für die Herstellung von LFP-Kathodenmaterial, also Lithium-Eisenphosphat, wird Schwefelsäure für bestimmte Prozessrouten benötigt.

Selbst wenn die Golfstaaten durch die Sperrung der Straße von Hormus einen Großteil des Schwefels nicht mehr über diese Route exportieren können, bleiben Saudi-Arabien und der Oman zumindest teilweise lieferfähig. Saudi-Arabien besitzt mit Yanbu, Rabigh und Jizan drei Häfen am Roten Meer, über die seit dem Ausbruch des Krieges Schwefel exportiert wurde. Auch Oman verfügt über einen Seehafen außerhalb des Persischen Golfs, über den bereits Schwefel nach Kriegsausbruch exportiert wurde.

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