Straße von Hormus – Risiken für die globale Schwefelversorgung und die Weiterverarbeitung von Batterierohstoffen

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 16.03.2026, Thema: EUAussenhandel , Thema: Rohstoffmarktrisiken , Thema: Nickel

Weltkarte, welche die regionale Verteilung der Schwefelexporte der Anrainerstaaten des Persischen Golfs der Jahre 2021, 2023 und 2025, zeigt
Regionale Verteilung der Schwefelexporte der Anrainerstaaten des Persischen Golfs der Jahre 2021, 2023 und 2025. 

Die de facto Sperrung der Straße von Hormus bedroht die weltweite Schwefelversorgung und damit u. a. auch die Versorgung Indonesiens, mit Risiken für die Weiterverarbeitung der Batterierohstoffe Nickel und Kobalt.

Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs produzierten zuletzt jährlich rund 20 Millionen Tonnen Schwefel. Das waren rund ein Viertel des globalen Angebots. Mit Saudi-Arabien (9 % der Weltproduktion 2025, Rang 4) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (8 % der Weltproduktion, Rang 5) zählen zwei der Golfstaaten zu den fünf weltweit größten Schwefelproduzenten. Weitere wichtige Produzenten aus der Golfregion sind Katar, der Iran und Kuwait (zusammen 8 % der Weltproduktion). Schwefel fällt dort v. a. bei der Raffination von Erdöl sowie bei der Aufbereitung von Erdgas an.

Im Jahr 2025 war die Golfregion für knapp über 50 % der globalen Schwefelexporte verantwortlich, die v. a. von der Düngemittelindustrie nachgefragt werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate (rund 5,7 Mio. t) und Saudi-Arabien (rund 4,4 Mio. t) waren 2025 die zwei weltgrößten Schwefelexporteure. Im gleichen Jahr war China mit rund 5,4 Mio. t das bedeutendste Zielland dieser Exporte, gefolgt von Indonesien (rund 4,1 Mio. t), Marokko (rund 3,4 Mio. t), Indien (rund 1,9 Mio. t) und Brasilien (rund 1 Mio. t). In diese fünf Länder flossen 2025 knapp über 90 % der Schwefelexporte der Golfstaaten. Während Indonesien im Jahr 2020 noch lediglich 350.000 t Schwefel aus der Region importierte, ist das Land nun bereits der zweitgrößte Schwefelimporteur aus der Golfregion und nach China und Marokko der weltweit drittgrößte Schwefelimporteur. Für die kommenden Jahre wird eine signifikante Zunahme des Schwefelbedarfs Indonesiens v. a. für die dortige Nickel-Kobalt-Weiterverarbeitung erwartet.

Die Hauptverwendung von Schwefel ist weit überwiegend die Herstellung von Schwefelsäure für zahllose weitere nachgelagerte Einsätze, wie vor allem in der Düngemittelproduktion, der Metallurgie, der Farbenindustrie, der chemischen Industrie und der Papierindustrie. Der Bedarf an Schwefel zur Weiterverarbeitung der Batterierohstoffe Nickel und Kobalt ist in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Wachstumstreiber der Schwefelnachfrage aufgestiegen.

Indonesien ist global der mit Abstand bedeutendste Produzent von Nickel. Das Land erbrachte 2025 nach BGR-Schätzungen etwa 65 % der globalen Nickel- und etwa 17 % der Kobaltförderung. Durch massive chinesische Investitionen und den Einsatz chinesischer Technologien wurden dort in den letzten Jahren u. a. auch zahlreiche Drucklaugungsanlagen (HPAL = High-Pressure-Acid-Leaching) errichtet. Für die Laugung wird der importierte Schwefel zu Schwefelsäure verarbeitet. Bei der Drucklaugung wird MHP (Mixed Hydroxide Product, ein Nickel-Kobalt-Mischprodukt) gewonnen. Dieses MHP enthält durchschnittlich 40 % Nickel und 3-4 % Kobalt. Pro Tonne Nickel im MHP werden durchschnittlich 10-12 t Schwefel benötigt. MHP ist das wichtigste Vorprodukt für die Herstellung von nickel- und kobalthaltigen Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien. Das MHP wird aber auch zur Produktion von Nickelmetall verwendet.

2D-Grafik: Indonesien – Schwefelimporte und deren Anteil an den weltweiten Importen von 2018 bis 2025.
2D-Grafik: Indonesien – Schwefelimporte und deren Anteil an den weltweiten Importen von 2018 bis 2025.

Die Schwefelimporte sind mit Start der ersten Drucklaugungsanlage im Jahr 2021 sprunghaft angestiegen, von davor jährlich rund 800.000 t auf rund 5,3 Mio. t im Jahr 2025. Mit dem kurz- und mittelfristigen Start weiterer Drucklaugungsanlagen wird die Nachfrage nach Schwefel weiter signifikant steigen. Außerdem wird Schwefel auch für die Konvertierung von NPI (Nickel Pigiron), einem wichtigen Vorprodukt für die Edelstahlindustrie, in Nickelmatte, dass für die Herstellung von Nickelmetall und Nickelsulfat dient, benötigt. Auch hier wurde die Kapazitäten in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. In Indonesien wird darüber hinaus in den nächsten Jahren im Zuge des Ausbaus der Kupferraffination eine zunehmende Nachfrage nach Schwefel bzw. Schwefelsäure erwartet.

Die indonesischen Schwefelimporte der letzten Jahre sind hoch konzentriert. Etwa drei Viertel der indonesischen Schwefelimporte stammten im Jahr 2025 aus dieser Region. Die Einfuhren erfolgten v. a. aus Saudi-Arabien (ca. 1,8 Mio. t), Katar (rund 0,9 Mio. t), den Vereinigten Arabischen Emiraten (rund 0,9 Mio. t) und Kuwait (rund 0,4 Mio. t). Etwa 90 % dieser Schwefelimporte gingen in den IMIP (Indonesia Morowali Industrial Park), den Obi Island Industrial Park und den IWIP (Indonesia Weda Bay Industrial Park), in denen derzeit zusammen sieben Drucklaugungsanlagen zur MHP-Produktion in Betrieb sind.

Indonesien produzierte im Jahr 2025 nach BGR-Schätzungen rund 450.000 t Nickel und knapp 45.000 t Kobalt im MHP. Außerhalb Indonesiens wird MHP derzeit nur in Papua-Neuguinea und in Neukaledonien hergestellt. Zusammen erbrachten beide Länder 2025 etwa 70.000 t Nickel und 6.000 t Kobalt im MHP. Die MHP-Produktion in Indonesien wird v. a. durch vertikal integrierte chinesische Unternehmen kontrolliert, die führende Positionen entlang der Batteriewertschöpfungskette einnehmen. Hierzu zählen vor allem CATL, der Weltmarktführer bei Lithium-Ionen-Batterien, GEM, Huayou, CNGR, Beijing Easpring und EVE. Über diese Lieferketten werden Nickel und Kobalt in Lithium-Ionen-Batterien oder deren Vorprodukte in die ganze Welt exportiert, auch nach Europa.

Abhängig von der Dauer der de facto Sperrung der Straße von Hormus und des Umfangs der Lagerbestände an Schwefel bei den MHP-Produzenten in Indonesien bzw. deren möglichen Zugangs zu anderen Lieferquellen, könnte eine Verknappung des globalen Schwefelangebots eintreten. Vor dem Hintergrund eines zuletzt deutlich gestiegenen Schwefelpreises hat sich die MHP-Produktion verteuert. Laut aktuellen Meldungen macht der Einsatz von Schwefel bereits etwa 40 % der MHP-Herstellungskosten aus. Die große Abhängigkeit von Schwefellieferungen aus der Golfregion, könnte zu einer Einschränkung der MHP-Produktion in Indonesien, mit Preisrisiken für die nachgelagerte Wertschöpfungskette, führen.

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Dr. Michael Szurlies

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