Eskalation im Nahen Osten könnte die europäische Aluminiumversorgung belasten

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 06.03.2026, Thema: Aluminium , Thema: Rohstoffpreise , Thema: Rohstoffhandel

Aluminiumproduzenten am Persischen Golf
Übersicht über die wichtigsten Aluminiumproduzenten am Persischen Golf. Quellen: USGS Mineral Commodity Summaries, Global Trade Tracker. Kartengrundlage: Google Maps.

Am 28. Februar 2026 starteten Israel und die Vereinigten Staaten von Amerika Luftangriffe gegen den Iran. Der Iran reagierte daraufhin mit Angriffen auf Ziele in mehreren Ländern im Nahen Osten. Zusätzlich kündigte Teheran an, keine Schiffspassage mehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zuzulassen.

Die Auswirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Aufgrund der Gefahrensituation kündigten zahlreiche Schiffversicherer die Policen für Schiffe, die in dieser Region operieren. In der Folge brach der Schiffsverkehr laut den Daten von IMF-Portwatch zum 1. März um 70 Prozent ein. Diese Entwicklung hat nicht nur Auswirkungen auf die europäische Versorgung mit Erdöl und Erdgas, sondern betrifft auch den Aluminiummarkt.

„Force Majeure“ am Persischen Golf

Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs sind bedeutende Produzenten von Primäraluminium. Im vergangenen Jahr produzierte die Region nach ersten Schätzungen etwa 6,5 bis 6,8 Millionen Tonnen. Das entspricht rund 9 Prozent der globalen Aluminiumproduktion. Der größte Produzent mit etwa 2,7 Millionen Tonnen sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), gefolgt von Bahrain mit ca. 1,6 Millionen Tonnen. Etwa 5 Millionen Tonnen davon exportierten die Golfstaaten, auch in die Europäische Union. Im Jahr 2025 importierte die EU knapp 1,17 Millionen Tonnen Aluminium in Rohform aus der Golf-Region (HS-Code 7601). Das entspricht etwa 18 Prozent der EU-Importe.

Wichtige regionale Produzenten sahen sich bereits mit massiven Einschränkungen konfrontiert. Der Aluminiumproduzent Qatalum, ein Joint Venture zwischen Qatar Petroleum und Hydro Aluminium AS, meldete am 03. März „Force Majeur“. Das Unternehmen habe damit begonnen, die Aluminiumproduktion kontrolliert herunterzufahren, da der Gasversorger seine Lieferungen bald einstellen werde. Auch Aluminium Bahrain meldete „Force Majeur“ für seine Aluminiumlieferungen.

Mit der schwindenden Anzahl an Schiffen, die die Straße von Hormus passieren, stiegen in Europa die Prämien auf Aluminium deutlich. Innerhalb von nur zwei Tagen um rund 14 Prozent.

Zusätzlicher Druck durch Entwicklung in Mosambik möglich

In den kommenden Monaten könnte diese Entwicklung an Dynamik gewinnen. Bereits im Dezember 2025 wurde bekannt, dass die Aluminiumhütte von MOZAL in Mosambik Mitte März 2026 den Betrieb herunterfährt. Der Betreiber der Hütte, South32, konnte sich nach eigenen Angaben keine „ausreichende und erschwingliche Stromversorgung“ über den März 2026 hinaus sichern.

Die Hütte in Mosambik ist für die Europäische Union bislang ein bedeutender Lieferant von Primäraluminium. Im vergangenen Jahr lieferte das Werk über 570.000 Tonnen in die EU. Sollten im kommenden Monat die Lieferungen aus Mosambik tatsächlich ausbleiben, wird der Druck auf die Prämien in Europa weiter zunehmen.

Schiffpassagen bereits seit November 2025 rückläufig

Bereits zwischen November 2025 und Ende Januar 2026 passierten weniger Schiffe die Straße von Hormus als üblich. Iranische Kräfte hatten in diesem Zeitraum mehrere Schiffe beschlagnahmt sowie Militärübungen in direkter Näher zur Straße von Hormus abgehalten. Dieser Rückgang wirkte sich, mit einem zeitlichen Verzug, auf die europäischen Aluminiumimporte aus. Im Januar 2026 fielen diese fast 70 Prozent geringer aus.

Aufgrund der geografischen Lage sind für die Golfstaaten keine alternative Ausweichrouten zur Straße von Hormus verfügbar. Selbst kurze Lieferunterbrechungen dürften zu spürbaren Auswirkungen in Europa führen. Sollte die Hütte von MOZAL in Mosambik wie angekündigt die Produktion einstellen, würde für Europa eine weitere wichtige Säule der Aluminiumimporte wegbrechen. Derzeit spricht vieles dafür, dass der Aluminiumpreis und die Prämien weiter steigen können.