Deutschland erlebte in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Photovoltaik-Boom. So hat sich die installierte Leistung von 2014 (38 GW) bis 2024 nahezu verdreifacht (BMWE 2025). Anfang 2025 waren bereits über 4,2 Millionen Solaranlagen installiert (Destatis 2025) – ein Plus von fast 24 % gegenüber dem Vorjahr. Die installierte Leistung stieg auf über 99 GW (ohne Balkonkraftwerke). Zählt man die rund eine Million gemeldeten Balkonkraftwerke hinzu (rund 900 MW), summiert sich die installierte Leistung von Photovoltaik auf über 100 GW.
Zubau und Rekorde
2024 erreichte die Einspeisung aus Photovoltaik einen Rekordwert von 74,1 TWh, was rund 15 % der inländischen Stromproduktion entspricht (UBA 2025b). Der Solaranteil am Strommix hat sich damit seit 2014 verdreifacht – damals lag er bei nur rund 6 %. Erneuerbare Energien liefern inzwischen knapp 60 % des deutschen Stroms.
Allein 2024 wurden über 16,7 GW neu installiert – so viel wie nie zuvor. Neben großen Dach- und Freiflächenanlagen spielt auch das Segment der Balkonkraftwerke eine immer wichtigere Rolle. 435.000 neue Geräte (rund 0,4 GW) gingen 2024 ans Netz (BnetzA 2025a). Der Anteil von Balkonkraftwerken am Gesamtbestand von Solaranlagen beträgt rund 20 % und symbolisiert den Trend zur dezentralen Eigenversorgung bei privaten Haushalten, ihr Anteil an der installierten Leistung von Photovoltaik beträgt allerdings nur rund 1 %.
Bedeutung für die Energiewende und Herausforderungen
Die Photovoltaik hat sich in nur zehn Jahren vom Nischenakteur zum zentralen Pfeiler der Stromversorgung entwickelt. Sie liefert heute über ein Sechstel des Stroms und ergänzt die Windenergie, die weiterhin den größten Anteil stellt.
Mit wachsendem Solarstromanteil stoßen regionale Netze allerdings zunehmend an ihre Grenzen – vor allem dort, wo viele Solaranlagen auf wenig Stromverbrauch treffen. Ist die Infrastruktur überlastet, drosseln Netzbetreiber die Einspeisung (negativer Redispatch). 2024 mussten so rund 1,4 TWh Solarstrom, was rund 2 % des erzeugten Solarstroms entspricht, abgeregelt werden - doppelt so viel wie im Jahr zuvor (0,7 TWh) (BNetzA 2025b).
Hinzu kommen wetterbedingte Schwankungen, die mehr Speicher, flexible Reservekraftwerke und leistungsfähige Netze erfordern. Die hierfür benötigten Infrastrukturtechnologien zur Speicherung und Verteilung von Strom werden somit immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Nicht zuletzt werden für den Ausbau und die Entwicklung der Erneuerbaren Energietechnologien mineralische Rohstoffe benötigt (DERA 2025). Für die Solarbranche ist Deutschland besonders von den Rohstoffen Silizium, Silber, Kupfer, Aluminium und Glas für Wafer und Zellen, Leiterbahnen, Rahmen, Kabel und Elektromodule stark importabhängig. Auch weniger bekannte Rohstoffe wie Indium und Gallium für Dünnschichtzellen stammen überwiegend aus China.
Die Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten stellt eine große Herausforderung für die heimische Solarindustrie da. Die Fertigung von Solarmodulen in Deutschland brach 2024 um mehr als die Hälfte ein (Destatis 2025). Auch im ersten Halbjahr 2025 setzte sich dieser Abwärtstrend fort. Hauptgrund ist der massive Preisdruck durch Importe aus China, das die globale Wafer- und Zellproduktion dominiert. Noch 2010 existierte in Deutschland und Europa eine durchgängige Wertschöpfungskette für Photovoltaik (Fraunhofer ISE 2025). Mit dem Rückgang der regionalen Nachfrage wurde jedoch die Herstellung einiger Vorprodukte eingestellt. Heute gibt es nur noch wenige Modulhersteller und kaum Zell- oder Waferfertigung in Europa.
Perspektiven
Das Ausbauziel der Bundesregierung ist ambitioniert: Bis 2030 sollen 215 GW Photovoltaik Leistung installiert sein (BMWE 2023). Der aktuelle Zuwachs zeigt, dass dieses Ziel erreichbar sein kann – sofern Lieferketten, Netzinfrastruktur und Speicherlösungen Schritt halten.
Entscheidend wird sein, wie Deutschland Versorgungssicherheit und industrielle Wertschöpfung künftig miteinander verbindet. Ohne Diversifizierung von Rohstoffimporten, Recycling und Aufbau europäischer Wertschöpfungsketten bleibt die Energiewende stark vom Ausland abhängig.
Für die Energiewende ist die Photovoltaik längst nicht mehr nur Teil der Lösung – sie ist von zentraler Bedeutung.