Silber auf Rekordkurs: Defizit, PV-Boom und neue Regelungen

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 14.01.2026, Thema: Silber , Thema: Zukunftstechnologien , Thema: Rohstoffpreise , Thema: Rohstoffsicherung

Links: Lagerbestände seit 2017 als gestapelte Zeitreihe dargestellt. Rechts: Handelsvolumen als Balkendiagramm (linke Achse) sowie der Entwicklung des Silberpreis (rechte Achse).

Der Silberpreis erlebt derzeit eine bemerkenswerte Rallye. Getrieben wird sie von einer robusten Nachfrage und einem anhaltenden Angebotsdefizit. Anfang Januar 2025 notierte die Feinunze (31,103 g) bei rund 30 US$. Bis Jahresende stieg der Preis um mehr als 160 Prozent auf knapp unter 80 US$. Auch zu Beginn des Jahres 2026 setzte sich der Aufwärtstrend fort; Mitte Januar kletterte Silber auf über 90 US$ pro Feinunze.

Der Preisanstieg ging 2025 mit einer deutlich höheren Handelsaktivität an den wichtigsten Rohstoffbörsen einher. An der COMEX in New York nahm das Handelsvolumen zwischen September und Dezember auf mehr als das Doppelte zu. An der SHFE in Shanghai versechsfachte sich das Volumen im gleichen Zeitraum. Auch in London am London Bullion Markt (LBM) stieg die Aktivität spürbar. Allerdings ist der Londoner Markt außerbörslich (OTC, „over the counter“) organisiert. Anders als an COMEX und SHFE werden dort keine Terminkontrakte (Futures), sondern Edelmetalle bilateral zwischen Marktteilnehmern gehandelt. Besonders dynamisch war die Bewegung im Herbst letzten Jahres. Zwischen September und dem Jahresende 2025 verdoppelte sich der Silberpreis nochmals.

Auf der Angebotsseite stellt die Bergwerksförderung ein vergleichbares geringes Risiko dar. Die wichtigsten Bergbauländer im Jahr 2024 waren Mexiko (25 %), China (13 %) und Peru (12 %). In der aktuellen DERA Rohstoffliste 2023 befindet sich Silber daher in der Gruppe mit einem geringem Riskio ( DERA Rohstoffinformationen 56 (2023). DERA-Rohstoffliste).

Obwohl die Angebotskonzentration als unbedenklich eingestuft werden kann, befindet sich der Silbermarkt seit nunmehr fünf Jahren in einem strukturellen Defizit. Zwischen 2019 und 2025 stieg die globale Nachfrage um etwa 14 Prozent, während das Angebot nur um rund 1,4 Prozent zulegte. Der Nachfrageschub geht dabei zu einem großen Teil auf die Photovoltaik (PV) zurück. Lag der Silberverbrauch für PV 2019 noch bei rund 75 Mio. Unzen (etwa 2.330 Tonnen), wird er für 2025 auf mehr als 196 Mio. Unzen geschätzt. Damit steht der PV-Sektor mit ca. 17 % der Gesamtnachfrage auf Augenhöhe mit dem Schmucksektor. Größer sind nach dieser Einteilung nur der Elektroniksektor (23,5 %) sowie der Münz- und Barrensektor (17,8 %) (Silver Institute).

Photovoltaik als Nachfragetreiber

Trotz weiter steigender PV-Produktion erwarten Marktbeobachter allerdings, dass die Silbernachfrage aus diesem Sektor sinken wird. Hohe Preise und technologische Weiterentwicklungen führen dazu, dass Hersteller den Silbereinsatz pro Modul reduzieren. Dadurch könnte die Nachfrage aus der PV-Industrie mittelfristig weniger stark ausfallen, als es der reine Ausbaupfad der Photovoltaik vermuten lässt (Silver Institute).

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Defizits waren die Lagerbestände an COMEX, SHFE und in London (London Vaults) zeitweise deutlich rückläufig. Mitte 2021 lagen die kumulierten Bestände bei über 50.000 Tonnen, bis Anfang 2025 sanken diese auf unter 35.000 Tonnen. Seit 2025 zeigt sich jedoch ein unterschiedliches Bild: Während sich die Bestände in New York und London bis zum Jahresende 2025 wieder spürbar erholten, gingen sie an der SHFE weiter zurück.

Der gesunkenen Bestände in China spiegelt sich auch in den Handelsdaten wider. Demnach nahmen die chinesischen Silberexporte (HS-Code 710691) 2025 deutlich zu. Zwischen Januar und November exportierte China gegenüber dem Vorjahreszeitraum über 56 Prozent mehr Silber. Hauptziel war die Sonderverwaltungszone Hongkong. Auch die Silberexporte aus Hongkong stiegen im Zeitraum Januar bis November 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 18 % (Global Trade Tracker).

China aktualisiert die Exportregulierung für Silber

Gleichzeitig rücken regulatorische und strategische Aspekte stärker in den Vordergrund. Im Dezember 2025 veröffentlichte das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) die Liste der sogenannten State Trading Enterprises (STEs). Darin ist festgelegt, welche Unternehmen Silber exportieren dürfen. Für die kommenden zwei Jahre sind 44 Unternehmen gelistet, in der Vorgängerliste (2024/2025) waren es 42 (DERA). Gleichzeitig hat das MOFCOM im Dezember 2025 eine Liste von Gütern aktualisiert, für die eine Exportlizenz beantragt werden muss. Bereits in den Jahren 2024 und 2025 mussten für acht Silberspezifikationen eine Exportlizenz beantragt werden. Diese Liste wurde nun auf zehn Produktklassen erweitert (MOFCOM).

In den USA wurde Silber im November 2025 in die Liste der kritischen Rohstoffe aufgenommen. Diese umfasst Rohstoffe, die für die wirtschaftliche oder nationale Sicherheit als wesentlich gelten und deren Lieferketten als störanfällig bewertet werden (USGS). Eine solche Einstufung kann in den USA den politischen Rückenwind für schnellere Genehmigungen und zusätzliche Förderinstrumente erhöhen sowie eine strategische Bevorratung anstoßen (DERA).

Ungewiss ist die weitere Entwicklung in den USA und China. Silber ist derzeit in den USA Untersuchungsgegenstand im Rahmen der sogenannten Sektorenzölle (Section-232). Sollte Silber darunterfallen, könnten die USA zusätzliche Importzölle erheben. Derzeit werden Zölle in Höhe von 50 Prozent auf bestimmte Aluminium-, Kupfer- und Stahlprodukte erhoben. Inwieweit die aktualisierte chinesische Exportregelung für Silber den Export tatsächlich beeinflusst, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.