USA führen Mindestimportpreise für Polysilizium und Solarprodukte ein

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 01.09.2026, Thema: Rohstoffpreise , Thema: Silizium , Thema: Energietechnologien

Chinesische Polysiliziumproduktion und Polysiliziumpreis
Monatliche Produktion von Polysilizium und Solarzellen in China sowie Preis für chinesisches Polysilizium in Solarqualität (9N). 

Ab dem 4. Dezember 2026 führen die USA Mindestpreise für den Import von Polysilizium und daraus hergestellte Produkte ein. Die Preisuntergrenzen betragen 21 US$ je Kilogramm für Polysilizium sowie 100 US$ pro Kilogramm für Ingots und Wafer, für Solarzellen und Solarmodule werden 0,22 und 0,38 US$ pro Watt festgesetzt. Zusätzlich gilt ein Zollsatz in Höhe von 15 Prozent auf Ingots, Wafer, Solarzellen und Module. Die US-Regierung begründet diese Maßnahme mit Risiken für die nationale Sicherheit und der starken Importabhängigkeit der USA.

Weltweites Überangebot

Vorangegangen war eine Untersuchung des US-Handelsministeriums. Das Ministerium kam zu dem Schluss, dass der weltweite Ausbau der Produktionskapazitäten für Polysilizium, insbesondere in China, zu einem Überangebot und stark fallenden Preisen geführt habe. Die niedrigen Preise haben die US-amerikanischen Polysiliziumindustrie und die nachgelagerten Wertschöpfungsketten nachhaltig geschwächt. Bei Solarwafern und -zellen seien die USA nahezu vollständig auf Importe angewiesen.

Mit den neuen Import-Mindestpreisen will die Trump-Administration nun gegensteuern. Mit 21 US$ für das Kilogramm Polysilizium liegt der Preis deutlich über den chinesischen Preisen von ca. 6 US$. Gegenüber nicht-chinesischem Polysilizium fällt der Abstand deutlich geringer aus. InfoLink meldete Ende August einen Durchschnittspreis von rund 18 US$ pro Kilogramm.

US-Kapazität gewachsen, Produktion aber rückläufig

Nach Angaben des US-Energieministeriums betrug die heimische Produktionskapazität von Polysilizium im Jahr 2021 mehr als 60.000 Tonnen im Jahr. Aufgrund von Werksschließungen im vergangenen Jahr dürfte die tatsächlich verfügbare Kapazität inzwischen auf knapp unter 60.000 Tonnen gesunken sein. Dies entspricht zwar einer deutlichen Zunahme gegenüber dem Jahr 2004, doch die Auslastung der Werke ist über Jahre hinweg rückläufig. Zwischen den Jahren 2014 und 2018 hat sich die Produktion mehr als halbiert.

Solarindustrie soll Halbleiterproduktion absichern

Polysilizium ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von monokristallinem Silizium. Dieses Material wird sowohl für moderne Solarzellen als auch Halbleiterbauteile benötigt. Je nachdem für welchen der beiden Anwendungsbereiche, unterscheidet sich das verwendete Polysilizium. So weist Polysilizium für den Halbleiterbereich gegenüber dem Solarbereich eine höhere Reinheit auf. Auch bei der Art der Verunreinigung werden für den Halbleiterbreich deutlich höhere Ansprüche gestellt.

Das Verhältnis zwischen der globalen Produktion von Polysilizium in Solarqualität und Halbleiterqualität liegt deutlich zugunsten der Solarqualität. Nur rund 2,4 Prozent des weltweit produzierten Polysiliziums hat die Qualität für die Weiterverarbeitung zu Halbleitermaterial. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Produzenten auf die Produktion von Polysilizium in Solarqualität angewiesen sind, um ausreichende Mengen von Polysilizium in Halbleiterqualität zu wirtschaftlichen Kosten bereitzustellen. Demnach bildet eine wettbewerbsfähige US-Solarindustrie die Grundlage dafür, der Halbleiterbranche ausreichen Polysilizium bereitzustellen. Gerade diese Halbleiter sind für viele militärische Anwendungen wie Radar- oder Waffensysteme unverzichtbar.

Zusätzlicher Zoll in Höhe von 15 Prozent

Neben den Mindestimportpreisen gelten ab Dezember 2026 für Ingots, Wafer, Solarzellen und Solarmodule ein zusätzlicher Sektorzoll (Section-232) in Höhe von 15 Prozent. Dieser Zoll bezieht sich dann auf den tatsächlichen Importwert dieser Waren.

Vereinzelt gelten länderspezifische Ausnahmen, beispielsweise für die Europäischen Union. Hier beträgt der Gesamtzoll aus bereits bestehenden Zöllen und dem neuen Section-232-Zoll insgesamt 15 Prozent. Auch Verträge, die vor der Veröffentlichung dieser Proklamation geschlossen wurden, können von dem Sektorenzoll ausgenommen werden.

Darüber hinaus werden Unternehmen Ausnahmen eingeräumt, die sich zum Aufbau von Produktionskapazitäten in den USA verpflichtet haben. Das bedeutet, diese Unternehmen können notwendige Produktionsausrüstung sowie Polysilizium, Ingots, Wafers und Solarzellen in begrenzten Mengen und über einen begrenzten Zeitraum ohne die Section-232-Zölle importieren. Solarmodule sind davon ausgenommen.

Politische Einordnung

Die neue Verordnung knüpft dabei an den rohstoff- und industriepolitischen Kurs der USA an. Mit der im Januar 2026 veröffentlichten Section-232-Proklamation zu kritischen Rohstoffen hatte US-Präsident Donald Trump bereits angekündigt, Maßnahmen wie Preisuntergrenzen bei kritischen Rohstoffen zu prüfen. Bei Polysilizium wird dieses Instrument nun erstmals entlang einer gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt.

Damit entsteht ein System aus Mindestpreis, Zoll sowie Anreizen zum Aufbau heimischer Lieferketten. Die Maßnahme zielt weniger auf eine allgemeine Verteuerung des Rohstoffs und der nachgelagerten Produkte ab. Sie soll die US-Produktion gegenüber chinesischen Überkapazitäten und den damit verbundenen Niedrigpreisen abschirmen.

Mit der neuen Maßnahme sollen ökonomische Rahmenbedingungen für die Solarindustrie geschaffen werden, damit die strategisch wichtige Produktion von hochreinem Polysilizium in Halbleiterqualität gesichert wird. Entscheidend wird daher sein, ob der Aufbau der heimischen Kapazitäten für Solarprodukte schnell genug erfolgt, um die Mehrkosten zu begrenzen.

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